DIY in Franken ·Projekte

Selbst gemachte Geschenke sind toll… oder?

sugar scrub im Glas
„Homemade“ prangt vom Etikett. Der Begriff steht inzwischen für eine ganze Bewegung.

Seit ich das DIY für mich entdeckt habe, versuche ich, die Menschen in meinem Umfeld mit selbst gemachten Aufmerksamkeiten zu beglücken. Dieses Jahr habe ich body scrubs, also Peelings zum Duschen, gemacht. Nun könnte ich euch zu den Fotos noch die Rezepte posten und dieser Blog-Beitrag würde ein gutes Ende nehmen… Ich möchte euch aber lieber von dem Unbehagen berichten, dass mich beim Zurichten der Geschenke beschlich. Denn eigentlich sind wir uns alle einig: selbst gemachte Geschenke aus nachwachsenden Rohstoffen sind das bi-ba-beste für die Umwelt, den Planeten, die Menschheit und das eigene Gewissen. Das ist Konsens. Und ich misstraue dem Konsens. Das dunkle scrub, das ich euch zeige, ist eine Mischung aus etwa einem Teil Zucker, einem Teil Olivenöl und einem halben Teil getrocknetem Kaffeesatz. Es soll die Durchblutung anregen und Cellulite bekämpfen. Gucken wir uns die Zutaten mal an: Zucker und Olivenöl sind Lebensmittel, die ich hier ohne mit der Wimper zu zucken vermischt habe, damit man sie sich auf die Haut schmiert und dann in den Ausguss spült. Der Kaffeesatz hat seinen Einsatz als Lebensmittel freilich hinter sich – und ich nehme an, ob er nun zur Hautpflege oder als Dünger eingesetzt wird, bleibt sich gleich. Der Energieaufwand beim Trocknen im Backofen bereitet mir da mehr Missfallen. Alles zusammengemischt sah mein handgefertigtes Spa-Produkt zunächst aus wie Gartenerde. Selbst als ich die Mischung in ein Marmeladenglas umfüllte (für’s Protokoll: eine Neuanschaffung, aber wiederverwertbar), sah sie immer noch aus wie Gartenerde im Glas. Also machte ich mich auf die Suche nach hübschen Etiketten – wurde bei Pinterest fündig – und knotete noch eine Schleife um das Gläschen. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet mir, dass Schleife und Etikett etwas die doppelte Zeit in Anspruch genommen hatten, die das Anmischen und Umfüllen des Peelings gebraucht hatte. Der Idee, ein handgemachtes, biologisch abbaubares und chemiefreies Produkt zu verschenken, stehen also die Fakten der Lebensmittelverschwendung, des Energie- und Zeitaufwandes sowie die Tatsache, dass mein nett gemeintes Mitgebsel erst durch eine ansehenliche Menge Verpackung – Glas, Schleife, Etikett – ansehenlich wird,

drei Gläser mit sugar scrub
Attraktiv verpackt ist das selbst gemachte sugar scrub ein schönes Geschenk.

gegenüber. Vielleicht ist das gar nicht schlimm. Ich verschenke die scrubs auch weiterhin gern von ganzem Herzen. Aber es zeigt auch, wie wenig durchdacht der Ansatz „DIY ist besser“ ist. Das grüne scrub ist übrigens Kokosöl und Zucker zu gleichen Teilen, versetzt mit etwas gemahlenem grünen Tee. Das soll gut für die Gesichtshaut sein. Die Öko-Bilanz vom Kokosöl und vom grünen Tee dürften nicht so pralle sein, andererseits handelt es sich wirklich um kleine Mengen, die bei der Gesichtspflege zum Einsatz kommen. Was ist also mein Fazit? Grundsätzlich würde ich die scrubs wieder zum verschenken anfertigen. Vielleicht muss ich mir nochmal Gedanken über die Verpackung machen, damit Inhalt und schöner Schein zukünftig in einem angemesseren Verhältnis stehen. Wer dazu eine Idee hat: her damit! Und zu guter Letzt: sogar ich ausgesprochener Weihnachtsmuffel finde, dass Schenken vor allen Dingen Freude machen soll und die Frage nach der Nachhaltigkeit ist dabei sicher nicht vordergründig. Für mich bleibt aber eben auch die Erkenntnis, dass nicht alles automatisch besser ist, bloß weil es selbst gemacht ist.

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