Rund ums Essen

Gemüsefond aus Resten

Tupperdose voller Gemüsereste
Mit den gesammelten Gemüseresten ging alles los…

Seit einiger Zeit beschäftige ich sich der Haushalt Näh mit dem Thema Plastikfreiheit und Müllreduzierung. Der Grund ist profan: je länger ich mit dem Nachwuchs in einem Haushalt lebe, desto wichtiger wird es mir, meinen Teil dazu beizutragen, einen intakten Planeten zu übergeben. Die ganze Näherei fußt ja auf dem Gedanken, meine Familie so wenig wie möglich in Klamotten zu hüllen, die ökologisch auf unser aller Schultern lasten und ökonomisch ganz klar zu fremden Lasten produziert werden. Hin und wieder lest ihr auf diesem Blog von Einschränkungen, die ich dennoch nicht hinnehmen möchte – wie etwa hier, wo ich nach der Näherei einiger Wischtücher festgestellt habe, dass die Mehrarbeit der Wäsche und Pflege der Tücher halt an mir hängen bleibt, oder hier, wo ich durch falsches Sterilisieren der Einmachgläser eine ganze Ladung eingekochter Tomatensauce für den Abfall produziert habe. Heute möchte ich euch aber von einem Selbstversuch erzählen, den ich für durch und durch gelungen halte. Auf der Website der Zero Waste Familie habe ich von einer Gemüsebrühe aus Gemüseabschnitten gelesen. Wie vermutlich alle von uns ist mir diese Idee durchaus bekannt. Warum der Funken, es selbst einmal auszuprobieren, erst beim Lesen dieses Blog-Beitrags übersprang, weiß ich nicht. Aber irgendwie machte es Anfang der Woche „Klick“ und ich wollte es auch unbedingt versuchen: mein eigener Gemüsefond. Auch das Desaster mit der mangelhafte eingemachten Tomatensauce schien mir lange genug vergangen, um es noch einmal mit dem Einmachen zu versuchen. Zunächst parkte ich eine Tupperdose im Gefrierfach. Hier kam nun die ganze Woche über alle geeigneten Gemüsereste, die beim Kochen so abfielen, rein. Und siehe da: Freitag

Blick in den Topf
…und mit zwei Litern Wasser ging es weiter. Auf halber Strecke sieht der Fond noch nicht so köstlich aus.

Abend hatte ich plötzlich eine Dose voll roter und gelber Möhrenschalen, das Grün von Frühlingszwiebeln, ein Viertel Gemüseabschnitt, einige grüne Spargelschalen und einen Rest Petersilie. Eigentlich wollte ich die bunte Mischung noch mit etwas Sellerie aufpeppen, den hatte ich im Eifer des Gefechts aber irgendwo vergessen. Dafür gesellte sich noch ein Näpfchen Spargelwasser, das am Vortag vom Spargel Kochen übrig geblieben war, dazu. Meine Gemüsereste röstete ich also pi mal Daumen in etwas Sonnenblumenöl an und löschte es dann erst mit dem Spargelwasser ab und füllte es mit Leitungswasser auf zwei Liter Topfinhalt auf. Diese Mischung ließ ich dann mit Salz, einem Lorbeerblatt, Wacholder und Liebstöckel zwei Stunden lang ziehen und reduzierte die Brühe dabei etwas. Nach dem Abseihen des Gemüses (hier half mir mein Dampfgareinsatz…) hatte ich dann circa eineinhalb Liter intensiven Gemüsefond, von dem ich die Hälfte sofort heiß auf heiß ausgewaschene Gläser aufzog. Die andere Hälfte durfte abkühlen und wandere dann eingetuppert ins Tiefkühlfach. Heute dann die Probe aufs Exempel: circa 0,33 Liter Fond wurde mit der gleichen Menge Wasser gestreckt und mit Möhrchen, Mairübchen und Buchstabennudeln zu einer Suppe für zwei Personen verarbeitet. Was für ein Genuss, sage ich euch! Allen Mitesser_innen hat es wunderbar

Einmachgläser mit Gemüsefond
Der Arbeit Früchte: eineinhalb Liter Gemüsebrühe, zum Teil auf Gläser aufgezogen und zum Teil zum Tieffrieren vorbereitet.

geschmeckt, trotz des fehlenden Selleries! Und das Aufkochen der Brühe hat heute kaum zehn Minuten gedauert – so lange es eben dauert, eine Möhre zu zerkleinern und eine Rübe zu schälen… Und die Vorarbeit? Die rechnet sich, sage ich. Ob ich meine Gemüseabfälle in den Müll oder ins Tiefkühlfach lege, bleibt sich von der Arbeitszeit gleich. Zum Anrichten des Suds braucht es maximal eine viertel Stunde, dann braucht es nochmal die gleiche Zeit um den Fond umzufüllen. Die etwa zwei Stunden, die das Rezept durchzieht, sollte man vielleicht nicht unbedingt das Haus verlassen, muss aber auch nicht daneben stehen und kann die Zeit so anderweitig sinnvoll nutzen. Von der Kosten her stehe ich sowieso auf der Gewinnerseite: eineinhalb Liter Fond mit etwa einem Euro Materialeinsatz, der für die Gewürze drauf geht, das ist unschlagbar. Natürlich brauche ich nicht im Wochentakt drei Gläser Gemüsefond und auch das Tiefkühlfach kann ich nicht bis unter den Deckel voll mit Kompost stapeln. Aber alle vier bis sechs Wochen möchte ich ab sofort eine Sammelwoche einlegen und meine Gemüsebrühe aus Resten auskochen. Zum ersten Mal schicke ich einen Blogbeitrag zur Linkparty „Einfach nachhaltig besser leben“ – und das nicht ohne ein Quentchen Stolz :-). Ach ja, wegen der Wischtücher: inzwischen hat ja Vater Näh die Zügel im Haushalt in der Hand, er ist also auch der Wäschedomteur. Und was soll ich sagen? Ich benutze meine Wischtücher seit dem Rollenwechsel so gerne, sie machen ja kaum zusätzliche Arbeit. Also mir…

Update: Da Maria extra dazu eingeladen hat, verlinke ich diesen Beitrag noch nachträglich bei „Mach was daraus!“ – der Linkparty gegen Lebensmittelverschwendung!

5 Gedanken zu „Gemüsefond aus Resten

  1. Hallo Lena!

    Eines meiner Lieblingsthema, was tun gegen die Lebensmittelverschwendung, was tun mit Lebensmittelresten. Eine einfach großartige Verwertung!

    Danke fürs Verlinken zu EiNaB! Und ich möchte Dich hiermit gleich einmal einladen, mit diesem Beitrag auch an meiner eigenen Linkparty, die demnächst erst gestartet wird, teilzunehmen. Da geht es dann nämlich um die Resteküche und was man alles aus Lebensmittelresten machen kann.

    Spätestens bis Mitte Mai ist die Linkparty auf meinem Blog online! Würde mich freuen, wenn Du mit dabei bist, gerne mit diesem Beitrag, es muss kein neuer sein.

    lg
    Maria

    1. Hallo Maria,
      auf der Suche nach sinnstiftenden Rezepten wider die Verschwendung bin ich schon etwas länger, weswegen ich mich auf deine Linkparty sehr freue! Leider hatte die Geschichte mit der Suppe eine blöde Wendung: in den Gläsern ist sie mir nach einer Woche gekippt, nur die tiefgefrorene Variante hat gehalten. Die nächste Fuhre Suppe habe ich jetzt richtig im Ofen eingemacht, die hält. Wenigstens habe ich das Experiment nicht mit extra gekauften Lebensmitteln durchgeführt. Versuch macht klug 🙂
      Viele Grüße Lena

      1. Hallo Lena!

        Es könnte an den Zwiebeln gelegen haben. Die können mitunter zu einem rascheren Verderben führen. Ich habe schon verschiedene Gemüsesuppen auf die einfache Art heiß abgefüllt und die halten wochenlang.

        Danke fürs Verlinken zu meiner neuen Linkparty!

        lg
        Maria

  2. Liebe Lena,
    deine Wischtücher finde ich so oder so immer wieder großartig und frage mich jedes Mal, wenn ich in deinem blog stöbere, warum ich das noch nicht nachgenäht habe… das nötige Material ist schon lange beiseite gelegt…
    Etwas, was ich neuerdings benutze: leichte Stoffsäckchen mit Zuzieh-Band (wie auch immer das bei Profis heißt) in verschiedenen Größen für Obst- und Gemüsekauf. Sie ersetzen die unsäglichen Plastiktüten und trotzdem kullert nix willkürlich in der Gegend herum.
    Viele Grüße von A. aus H.!

    1. Liebe Antje,
      danke für dein Lob! 🙂 Mir geht es da ganz ähnlich. Für die Stoffbeutel für den Markt habe ich schon lange das Material, zum Nähen bin ich aber noch nicht gekommen. Bislang benutze ich ein ausrangiertes Wäschenetz aus Großmutters Beständen, um etwas Cocktailtomaten verpackungsfrei zu transportieren. So musste ich nichts Neues kaufen. Viele Grüße nach H.!

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