Nachhaltigkeit ·Rund ums Essen

Fantastische Ernte

Baumwolltasche mit frischem Gartengemüse
Eine Tasche voller Gartenglück. Mit dem grünen Inhalt ist die Familie Näh eine Woche lang über die Runden gekommen, gemüsemäßig gesehen.

Was Gemüse anbelangt, ist der Haushalt Näh aktuell in einer sehr komfortablen Situation. Die Schwiegerleute leisten sich nämlich einen eigenen Schrebergarten hier in der Großstadt. Und dieses Jahr haben die Familiengärtner ihre Anbauauswahl weise getroffen und sich bei der Pflege des Gartens ordentlich ins Zeug gelegt. Das heißt: Es gibt schon im Juni so viel frisches Gemüse, dass wir davon etwas abhaben können. Gartenfrisches Gemüse ohne die Plackerei des Anbaus? Da sage ich nicht nein. In regelmäßigen Abständen kriege ich nun eine Tasche mit ähnlichem Inhalt reingereicht, wie ihr sie auf dem Bild sehen könnt. Darin befinden sich frische Kräuter wie Petersilie, Thymian, Rosmarin, Olivenkraut, Salbei, Schnittlauch und Zitronenmelisse, außerdem Pflücksalat, Rocula, Kohlrabi und die ersten Karotten. Ehrensache, dass ich mein Bestes gebe, den leckeren Inhalt der Tasche mit Stumpf und Stiel zu verarbeiten. So wurde aus den Kräutern zunächst eine Salatsauce für den selbst gezogenen Salat mit Lauchzwiebeln und als klar war, dass ich die restlichen Kräuter frisch nicht mehr verarbeiten könnte, mixte ich daraus Kräuterbutter, die ich portionsweise im Gefrierfach parkte. Karotten und Kohlrabi wurden entweder als Rohkost gefuttert (hier hatte Junior großes Interesse), oder kamen als Suppeneinlage in die Brühe. Aus den Kohlrabiblättern bereitete ich noch einen Brotaufstrich zu. Aus den restlichen Schalen, Stengeln

Frischer Giersch
Der frisch gepflückte Giersch. Dass ich ihn essen wollte, überraschte die Schwiegermutter übrigens kein bisschen.

und Blättern setzte ich zu guter Letzt einen neuen Gemüsefond an. Zu dieser Kochorgie muss ich nun zweierlei anmerken: erstens habe ich das Zubereiten über die Tage hinweg ganz schön zelebriert. Eventuell kann man die Gartenausbeute auch mit ein bisschen weniger Verbissenheit verarbeiten und trotzdem zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kommen. Zweitens hat mich die spontane Gemüseflut zunächst ganz schön aus den Angeln gehoben. Offensichtlich bin ich es nicht gewohnt, dass Gemüse zu verarbeiten, wenn es eben auch da und reif ist, sondern bin noch ziemlich in einer Denkweise gefangen, in der das frische Gemüse in entsprechenden Mengen reif zu sein hat, wenn ich es gerade brauche. Es hat sicher zwei Tage gedauert, bis mich diese Erkenntnis eingeholt hat, dann entschied ich mich aber dazu, mich der Herausforderung der Haltbarmachung zu stellen. (Dann setzte die Verbissenheit ein. Ihr versteht das hoffentlich.) Von einer Besonderheit möchte ich euch noch berichten. Und zwar von dem ganzen Giersch, der im Garten der Schwiegerleute wächst. Schon vor einiger Zeit hatte ich vom leckeren Giersch, der sich wirklich überall finden lässt, im Internet gelesen. Und weil man im Internet eine ganze

Collage Gartengemüse und Giersch
So viel Grün! Läuft euch auch das Wasser im Mund zusammen?

Menge liest, konsultierte ich noch die beiden Kräuterkundigen in meinem Bekanntenkreis, die mir bestätigten, dass man Giersch essen könne und man am besten die jungen Blätter im eigenen Garten ernte. Den eigenen Garten habe ich nun nicht zur Verfügung, aber die Schwiegis… ihr versteht, worauf das hinaus läuft. So konnte ich mit meiner prall gefüllten Gartentasche noch ungefähr 100 Gramm Giersch mit nach Hause tragen, die ich dort säuberte und einfror, sodass mir in den folgenden Tagen jeweils eine Handvoll davon meinen Erdbeersmoothie versüßte, ich meine: vergrünte. Der Geschmack ist der Petersilie wirklich sehr ähnlich, weshalb ein Teil des Gierschs schlussendlich auch noch im Salat landete. Und die edlen Spender? Die haben ein kleines Dankeschön für ihre Gabe bekommen. Von der Kräuterbutter, die ich angerüht hatte, haben die beiden etwas gekriegt und außerdem einen Basilikumsirup, von dem ich euch bald berichte. Das ist auch meine vorläufige Erkenntnis aus der ersten (und zweiten und dritten) großen Gemüsetasche: vollständige Verarbeitung der Rohstoffe funktioniert am besten dann, wenn man mit anderen teilen und tauschen kann. So steht nix in meiner kleinen Küche rum und man muss nicht tagelang hintereinander das Gleiche essen. So habe ich etwa mit meiner Kollegin Kräuterbutter, Kohlrabiblattaufstrich und Fond gegen Haarseife getauscht und noch mehr Kräuterbutter zum Nürnberger Zero Waste Picknick mitgebracht. Ihr seht schon – es war echt viel Kräuterbutter. Als Teil des Versuchs eines nachhaltigeren Lebens schicke ich meinen kleinen Erfahrungsbericht zur Linkparty einfach.nachhaltig.besser.leben – wobei ich selbstkritisch hinzufügen möchte, dass das Leben für den Haushalt Näh während meiner Hardcore-Koch-Phase nicht unbedingt besser war. Da gilt es, noch ein Gleichgewicht zu finden.

Update: Auf Marias Einladung hin schicke ich diesen Beitrag noch zu ihrer Linkparty „Resteküche – mach was draus!

2 Gedanken zu „Fantastische Ernte

  1. Hallo!

    Ich habe bei Deinem Bericht sehr schmunzeln müssen und erkenne durchaus Parallelen zu meinem Leben wieder 😉

    Jedenfalls finde ich es großartig, was Du alles aus dem Gemüse gezaubert hast und vor allem, dass Du auch die Blätter, welche die meisten wegwerfen, verarbeitet hast.

    Danke fürs Verlinken zu EiNaB!

    Und dann wollte ich Dich mit diesem Beitrag auch noch zu meiner Restelinkparty einladen, den Dein Betrag würde da wirklich wunderbar dazu passen!

    lg
    Maria

    1. Hi Maria,
      da bin ich aber froh, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht… Die Blätter zu verarbeiten, lohnt sich, wie ich finde. Das wirkt sich nämlich direkt positiv auf den Geldbeutel aus. Ich schaue gerne mit meinen Beiträgen wieder bei der Restelinkparty vorbei!

      Viele Grüße Lena

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